Der Barock war das Jahrhundert der großen Kunstsammlungen: Päpste, Papstneffen und Kardinäle waren die Protagonisten des aufblühenden Mäzenatentums, das viele begabte Künstler nach Rom lockte. Neben den öffentlichen Auftragswerken wurden Künstler wie zum Beispiel Bernini, Caravaggio, Lanfranco und Pietro da Cortona von ihren Mäzen auch an der Ausstattung ihrer Privatpaläste- und villen eingespannt, deren reichen Kunstsammlungen die Besucher noch heute ins Erstaunen setzen. Kardinal Scipione Borghese, Papst Urban VIII., Königin Christina von Schweden und viele weitere bedeutende Persönlichkeiten begleiten uns auf den Museumsführungen und erzählen uns die spannenden Geschichten und Hintergründe ihres Familienbesitzes.
Die etwas außerhalb des Stadtzentrums gelegene Villa Torlonia, die möglicherweise aufgrund ihrer Lage nur selten von Touristen aufgesucht wird, nimmt unter den römischen Villenbauten aufgrund ihrer Originalität eine ganz besondere Stellung ein. Die Villa, die sich aus mehreren Baukomplexen, die unterschiedlichen Epochen und Stilen nachempfunden sind, zusammen setzt, und der prachtvoll angelegte englische Garten gehen auf den Herzog Giovanni Torlonia, der das Grundstück 1797 erworben hatte, und seinen Architekten Giuseppe Valadier zurück. Nach dem Tod Giovannis wurden die Arbeiten unter seinem Sohn Alessandro weitergeführt, der den Park unter anderem mit gefälschten antike Ruinen, mit einem Theater und der so genannten „Capanna Svizzera“ (einem Gebäude nach Schweizer Stil) und zwei großen Obelisken erweitern ließ. 1925 wurde die Villa von Mussolini konzessioniert, der hier seine Privatresidenz einrichtete. Zwischen 1944 und 1947 von den angloamerikanischen Truppen besetzt, kam die Villa 1977 in den Besitz der Stadt Rom, die die Villa im folgenden Jahr der Öffentlichkeit zugänglich machte. Die in den 90er Jahren durchgeführten Restaurierungen haben die Villa zu ihrem ursprünglichen Glanz zurück geführt und machen einen Besuch heute daher wieder sehr lohnenswert.
Kurz nachdem Kardinal Maffeo Barberini als Papst Urban VIII. 1623 die Nachfolge Petri angetreten hatte, kümmerte er sich um den Bau seines neuen Familienpalastes am Abhang des Quirinalshügels, wobei er drei der bedeutendsten Architekten seiner Zeit heran berief: Carlo Maderno, Gian Lorenzo Bernini und Francesco Borromini. Der Palast, der hauptsächlich von seinen beiden Neffen Taddeo und Francesco Barberini bewohnt wurde, sollte in den folgenden Jahren zum Symbol des glanzvollen Barberinipontifikates werden. Höhepunkt der Glorifizierung Papst Urbans VIII. bildet das große Deckenfresko Pietro da Cortonas, das den Triumph der göttlichen Vorsehung darstellt und das zwischen 1633 und 1639 ausgeführt wurde. Neben den anderen bedeutenden Deckenfresken von Andrea Sacchi und Andrea Camassei beeindruckt uns heute noch die Privatsammlung der Familie, die hauptsächlich Gemälde vom 15. bis zum 17. Jahrhundert auflistet, darunter Werke von Raffael, Andrea del Sarto, Tintoretto, Tizian, El Greco, Reni, Domenichino, Lanfranco, Bernini, Poussin, etc. Der Palazzo Barberini wurde 1949 vom Staat gekauft und ist heute zusammen mit dem Palazzo Corsini Sitz der Galleria Nazionale d’Arte Antica.
Die bezaubernde Lage der Galleria Borghese, die sich in einem der schönsten Parks Roms außerhalb des Stadttores befindet, macht den Besuch der Villa genau so interessant wie ihre Kunstsammlung im Inneren. Gegründet wurde sie zu Beginn des 17. Jahrhundert von Scipione Borghese, einem Neffen Papst Paul V. Neben Werken aus den vorherigen Jahrhunderten, konzentrierte sich das Interesse des Kardinals hauptsächlich auf Gemälde und Skulpturen seiner Zeitgenossen, das ihn bald zum wichtigsten Mäzen von Bernini und Caravaggio machte. Zu seiner Sammlung gehörten zum Beispiel Berninis bedeutende Skulpturengruppen Aeneas und Anchises, Apoll und Daphne und der Raub der Prosperpina und Caravaggios Selbstbildnis als Bacchusknabe (ca. 1593), Knabe mit dem Fruchtkorb (ca. 1594), Madonna dei Palafrenieri (1605) und David mit dem Haupt des Goliath (1609-1610). Das große Kunstverständnis Scipione Borgheses führten zur der Entstehung einer der bedeutendsten Sammlungen des 17. Jahrhunderts. 1807 sah sich Camillo Borghese gezwungen, einen Großteil der Statuensammlung, die noch heute den Borghese-Fundus des Louvre bildet, an Napoleon Bonaparte zu verkaufen. Zum Ausgleich erhielt er die Danae Correggios, eines der großen Meisterwerke der emilianischen Malerei des 17. Jahrhunderts. 1803 hatte Camillo Borghese eine der Schwestern Napoleons, Paolina Bonaparte, geheiratet, deren eindrucksvolles Ganzkörperportrait von Canova noch heute einen der Höhepunkte der Sammlung bildet. Ende des 19. Jahrhundert wurde die Sammlung an den italienischen Staat verkauft während der Park in den folgenden Jahren der Stadt Rom zugesprochen wurde. Außerdem in der Sammlung: die berühmte Grablegung Raffaels, die Himmlische und die irdische Liebe von Tizian, Werke von Lucas Cranach, Bronzino, Lorenzo Lotto, Dosso Dossi, Rubens, Barocci, Domenichino, Lanfranco, etc.
Der Grundstein der Sammlung Corsini wurde im 17. Jahrhundert durch den Kardinal Neri Corsini Senior gelegt, der Onkel des 1730 zum Papst gewählten Clemens XII. 1735 erwarb die aus Florenz stammende Corsini Familie den alten Palast der Riario an der Via della Lungara, in dem im 17. Jahrhundert die Königin Christina von Schweden gewohnt hatte. Nach den Umbauarbeiten des Palastes, kümmerte sich der Neffe des Papstes, Neri Corsini Junior, zusammen mit dem Bibliothekar und Kunstsachverständigen Giovanni Gaetano Bottari um die Ausweitung der Sammlung. 1883 wurde der Palast einschließlich seiner Sammlung von den Corsini an den Staat verkauft, der diesen zum Sitz der Accademia dei Lincei und der Galleria Nazionale d’Arte Antica machte. Neben den italienischen und nordeuropäischen Gemälden aus dem 18. Jahrhundert treffen wir in den Räumen auch auf schöne Bronzeskulpturen und Gemälde von Caravaggio, Gentileschi, Poussin, Carracci, Salvator Rosa und anderen Künstlern des 17. Jahrhunderts. Von großem Interesse ist auch das noch original erhaltene Schlafzimmer der Königin Christina von Schweden mit Fresken aus dem späten 16. Jahrhundert.
Der Palazzo Doria Pamphilj besitzt neben dem Palazzo Pallavicini Rospigliosi und dem Palazzo Colonna die größte Kunstammlung in Rom. Die Sammlung der Pamphilj wurde 1644 von Camillo Pamphilj, Neffe Papst Innozenz X., gegründet. Durch seine Heirat mit Olimpia Aldobrandini kam die Familie in den Besitz des Palastes, der damals noch der Aldobrandini Familie gehörte. Einen wichtigen ersten Bestandteil der Sammlung bildete außerdem die „Mitgift“ von Olimpia, die Werke von Tizian, Raffael, Lotto und die berühmten Landschaftslünetten Annibale Carraccis mit in die Ehe brachte. Zusammen mit seinem Sohn Benedetto kümmerte sich Camillo in den folgenden Jahren um den Erwerb weiterer bedeutender Werke, darunter von Saraceni, Guercino, Lorrain, Bernini, Algardi und Velàsquez. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert errichtete der Architekt Gabriele Valvassori im Inneren des Palastes die wunderschöne Galleria degli Specchi nach dem Vorbild französischer Spiegelsäle. Als der Familienzweig der Pamphilj im Jahr 1760 ausstarb, erbten die Doria Landi, die seit der Heirat Anna Pamphiljs und Giovanni Andrea III. Doria Landi familiär mit den Pamphilj verbunden waren, den Besitz der Familie.
Der Palazzo Spada fällt dem Rombesucher, der sich von der Piazza Farnese nach Trastevere begibt, aufgrund seiner mit Stuckdekorationen reich verzierten Fassade sofort ins Auge. Mitte des 16. Jahrhunderts für Kardinal Giacomo Capodiferro gebaut, wurde der Palast 1632 von Kardinal Bernardino Spada gekauft, der Borromini sofort mit einigen Umbauarbeiten beauftragte. Im Innenhof des Palastes realisierte Borromini eines seiner Meisterwerke: eine Galerie, die perspektivisch so genial konzipiert wurde, das sie dem Betrachter viel länger erscheint als sie in Wirklichkeit ist. Seit 1927 ist der Palazzo Spada Sitz des Staatrates und der gleichnamigen Sammlung mit bedeutenden Gemälden aus dem 17. Jahrhundert, darunter von Reni, Guercino, Carracci, Domenichino, Solimena, Preti, etc.