Mit dem von Kaiser Konstantin 313 n. Chr. erlassenen Toleranzedikt von Mailand wurde das Christentum offiziell als Religion anerkannt. Die jahrelange Christenverfolgung hatte damit ein Ende. Abseits des antiken Stadtzentrums entstanden schon bald die ersten christlichen Basiliken: noch im Jahr 313 wurde mit dem Bau von S. Giovanni in Laterano begonnen, im Jahr 324 folgte St. Peter. Der Prozess der Christianisierung Roms ging mit großen Schritten voran – die Stadt der Kaiser wurde allmählich zur Stadt der Päpste und die Bauten der Kaiserzeit wurden zu christlichen Gebetsstätten. Durch Rom zu spazieren bedeutet, die Geschichte der Stadt zu durchlaufen. So auch das Mittelalter, das uns in vielen Straßen, Häusern und in großen und kleinen Kirchen mit ihren wunderschönen Kreuzgängen, Fresken, Mosaiken und polychromen Marmorfußböden begegnet.
S. Giovanni in Laterano, Scala Santa, SS. Quattro Coronati und das Oratorium des heiligen Silvester, S. Clemente
Der erste Rundgang ist vorwiegend Kaiser Konstantin (306-337) gewidmet, dem ersten christlichen Kaiser des römischen Reiches. Seine Geschichte fand seit dem Mittelalter durch zwei unterschiedliche Quellen Verbreitung, deren Bedeutung wir uns anhand der eindrucksvollen Fresken im Oratorium des heiligen Silvester und im Baptisterium von S. Giovanni in Laterano vor Augen führen wollen. S. Giovanni in Laterano wurde von Konstantin als erste christliche Basilika etwas abseits vom Stadtzentrum errichtet und blieb bis zum 14. Jahrhundert Hauptsitz der katholischen Kirche. Ihr heutiges Aussehen geht weitestgehend auf die Umbauarbeiten im 17. Jahrhundert zurück, die Borromini im Auftrag Papst Innozenz X. ausführte. Laut Überlieferung war es Helena gewesen, die Mutter des Kaisers, die die Heilige Treppe, die Scala Santa, auf der Christus zu Pilatus emporgestiegen sei, von Jerusalem nach Rom brachte, wo sie anschließend im Lateranspalast aufgestellt wurde. Heute befindet sich die Treppe, die täglich von tausenden Pilgern besucht und auf Knien bestiegen wird, in einem angrenzenden Gebäude, das 1589 von dem Architekten Domenico Fontana entworfen wurde. Mehrere Gründe sprechen dafür, S. Clemente zu den schönsten und interessantesten mittelalterlichen Kirchen in Rom zu zählen: zum einen wegen ihrer reichen Ausschmückung im Inneren mit ihrem herrlichen Apsismosaik, den Kosmatenarbeiten, dem Ziborium und den Fresken Masolino da Panicales, zum anderen wegen der mehrschichtigen archäologischen Entdeckungen unterhalb der Kirche, die uns zu einer Kirche aus dem 4. Jahrhundert, einem antiken römischen Wohnhaus und zu einem Mithras-Tempel führen.
St. Peter, Engelsburg
Erst nach der Rückkehr der Päpste aus dem Exil in Avignon im Jahr 1377 wurde der Vatikan Zentrum der katholischen Kirche und löste damit den Jahrhunderte alten Sitz der Päpste im Lateran ab. Der erste Bau von St. Peter geht auf Kaiser Konstantin zurück, der die Basilika über der Stelle errichten ließ, an der sich das vermeintliche Grab des Apostels befand. Im 16. Jahrhundert wurde St. Peter dann nach Plänen mehrerer Architekten, darunter Michelangelo, Raffael und Bramante, neu erbaut und erfuhr seine wichtigsten Erweiterungen im 17. Jahrhundert durch Roms anerkanntesten Barockkünstler Gian Lorenzo Bernini. Nur wenige Meter von St. Peter entfernt liegt die Engelsburg, die bereits seit dem 9. Jahrhundert durch die von Papst Leo IV. errichtete Stadtmauer mit der Basilika verbunden war. Noch heute ist ein Teil dieser Mauer zu sehen, die im 13. Jahrhundert zum Geheimgang umfunktioniert wurde, durch den die Päpste während der Invasionen und Belagerungen der Stadt von ihrem Palast in die Burg fliehen konnten. Die Engelsburg gehört heute aufgrund ihrer vielschichtigen Bauetappen zu einem der interessantesten Sehenswürdigkeiten Roms. Die Geschichte des Baus führt uns vom ehemaligen Mausoleum des Kaisers Hadrian zu der mittelalterlichen Festung mit ihren Gefängnissen bis zu den Appartements der Päpste mit den herrlichen Fresken Perin del Vagas. Einen krönenden Abschluss dieser Tour liefert das einzigartige Panorama von der Dachterrasse der Engelsburg.
S. Maria Maggiore, S. Prassede, S. Pudenziana
Keine andere Stadt, nicht einmal Ravenna oder Istanbul, ist so reich an antiken und mittelalterlichen Mosaiken wie Rom, auch ihr Ursprung nicht hier, sondern in Griechenland liegt. Die Zeit der Mosaikkunst beginnt etwa gleichzeitig mit dem Bau der christlichen Basiliken und endet um 1300, als die Freskomalerei an Vorrang gewinnt. Die von uns ausgewählten Kirchen zeigen einige der eindrucksvollsten Beispiele der römischen Mosaikkunst, die uns zugleich in verschiedene Epochen führen: in das 5. Jahrhundert in S. Pudenziana, in das 9. Jahrhundert in S. Prassede und mit dem Mosaik von Jacopo Torriti in S. Maria Maggiore in das späte 13. Jahrhundert.
S. Giorgio in Velabro, S. Maria in Cosmedin, S. Nicola in Carcere, S. Saba, S. Prisca, S. Sabina
Unser Rundgang beginnt auf dem Forum Boarium, dem antiken Viehmarkt, der aufgrund seiner zentralen Lage – er befand sich zwischen dem Forum Romanum und dem Hafen- für die Römer einen wichtigen Handelspunkt bildete. Wie auch auf dem Forum Romanum wurden hier mit Beginn des Mittelalters, nachdem das Christentum in Rom Öffentlichkeitsrecht erlangt hatte, heidnische Bauten in Kirchen umstrukturiert. Eines der auffälligsten Beispiele liefert die Kirche S. Nicola in Carcere, die, wie man heute noch sehr gut erkennen kann, auf dem Gebiet drei antiker Tempel errichtet wurde. Nur wenige Schritte weiter befindet sich die Kirche S. Maria in Cosmedin, deren Name sich von dem griechischen Wort kosmidion ableitet und sich damit auf die Schönheit der Innendekoration bezieht, die sich noch heute, trotz der vielen Restaurierungen, in ihrer Schlichtheit zeigt. Weitaus bekannter als die Kirche selbst, ist der in ihrer Vorhalle sich befindende Mund der Wahrheit („Bocca della verità), der wohl mit zu den beliebtesten Fotoobjekten in Rom gehört. Die im 7. Jahrhundert errichtete Kirche S. Giorgio in Velabro ist nach dem Sumpfgebiet benannt, wo der Legende nach die Zwillinge Romulus und Remus von der Wölfin aufgefunden wurden. 1993 wurden Teile der Kirche bei einem schweren Attentat zerstört, aber die sorgfältigen Restaurierungsarbeiten haben den Zugang glücklicherweise wieder möglich gemacht. Die letzten Kirchen führen uns alle auf den ruhigen Aventin mit seiner reichen Vegetation. Unser Interesse soll hier in erster Linie den noch ausgezeichnet erhaltenen Schnitzarbeiten auf der Kirchentür von S. Sabina aus dem 5. Jahrhundert sowie den heute nur wenig bekannten unterirdischen Räumen von S. Prisca gelten. Zum Abschluss zeigen wir Ihnen den wohl individuellsten Ausblick auf den Petersdom!