In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts macht sich in Italien ein neuer Kunststil bemerkbar: der Manierismus. Charakteristisch für die Malerei dieser Epoche, deren Motive sich an Werken der Renaissancekünstler, allen voran Raffaels und Michelangelos anlehnten, waren die Auflösung der Proportionen, die Darstellung täuschender Trompe l’oeil-Effekte, grelle Farben sowie die Verzerrung der Formen. Die beiden folgenden Führungen zeigen Ihnen zwei der interessantesten Freskozyklen, die einige der bedeutendsten Künstler der Zeit beschäftigten.
Wie auch die Ordensbrüder von S. Giovanni in Decollato erhielt die Bruderschaft des Gonfalone im 16. Jahrhundert vom Papst die Erlaubnis, einmal im Jahr einen Gefangenen frei zu sprechen und sich daraufhin um seine Wiedereinführung in die Gesellschaft zu kümmern. Mit der Johannes dem Täufer gewidmeten Kirche und Oratorium in der Nähe des Forum Romanum hat das Oratorium des Gonfalone auch noch etwas gemeinsam: wie dort arbeiteten auch hier einige der Protagonisten der italienischen Manierismusmalerei zusammen. Zu den Künstlern, die hier auf großen Wandfeldern die Passionsgeschichte Christi darstellten, zählen unter anderem Jacopo Bertoja, Federico Zuccari, Marco Pino und Cesare Nebbia. Ein Besuch des Oratoriums, das seine Türen nur während seiner Konzertreihen öffnet, bedarf einer rechtzeitigen Reservierung.
Die Kirche S. Giovanni in Decollato, die ihre Pforten nur auf spezielle Anfragen öffnet, liefert uns eines der imposantesten Zeugnisse des toskanischen Manierismus in Rom. Die Kirche und das angrenzende Oratorium sind mit wunderschönen Fresken mit Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers geschmückt, die von namenhaften Künstlern wie zum Beispiel Cristorofo Roncalli, Francesco Salviati, Giorgio Vasari und Jacopino del Conte ausgeführt wurden.