Unterstützt durch den Reichtum und das kulturelle Bestreben der Päpste, aber auch der Kardinäle, Bankiers, Diplomaten und Intellektuellen, findet die Renaissance in Rom seit dem späten 16. Jahrhundert schnell eine blühende Entwicklung: es entstehen neue Villen, Paläste und Straßen, bedeutende Maler arbeiten an der Ausmalung von Kapellen, Oratorien und Privatpalästen. Das neue Interesse an der Archäologie bringt einzigartige Meisterwerke der Antike zum Vorschein, die daraufhin restauriert und in Privatsammlungen aufgestellt werden: zu den berühmtesten Beispielen gehört die Statuengruppe des Laokoon, die 1506 gefunden und daraufhin von Julius II im Belvedere des Vatikan aufgestellt wurde, wo sie zusammen mit den Fresken Raffaels und Michelangelos noch heute von den zahlreichen Besuchern der Vatikanischen Museen bestaunt wird.
Villa Farnesina (Raffael), Via Giulia, Tempietto des Bramante, S. Pietro in Montorio
Raffael war der einflussreichste Maler des 16. Jahrhunderts in Rom. Mit seinem Erscheinen in der Stadt im Jahr 1508 setzte der Künstler eine entscheidende Wende für die römische Malerei, die noch lange nach seinem frühen Tod im Jahr 1520 unter seinem Einfluss stand. Neben seinen Arbeiten in den päpstlichen Privaträumen im Vatikan stellen seine Fresken in der idyllisch gelegenen Villa Farnesina am Tiberufer seine bedeutendsten Arbeiten in Rom dar. Im Auftrag des reichen Bankkaufmanns Agostino Chigi verwirklichte der Künstler hier den wunderschönen Zyklus von Amor und Psyche und das Wandbild der Galatea. Von großem Interesse sind im Inneren aber auch die Fresken von Sebastiano del Piombo, Sodoma und Baldassare Peruzzi, der gleichzeitig auch der Architekt der Villa war. Auf der gegenüberliegenden Tiberseite verläuft die unter Papst Julius II. zu Beginn des 16. Jahrhunderts angelegte Via Giulia. Ihre imposanten Renaissancepaläste sowie ihre ruhige Lage machen diese Straße zu einem der schönsten Orte der Stadt. Wie Raffael war auch Bramante an den anfänglichen Plänen von Neu-St. Peter beteiligt, ein Projekt, das ebenfalls zur Zeit des kunstfördernden Papstes Julius II. begonnen wurde. Der Name des lombardischen Architekten ist in Rom aber in erster Linie mit dem so genannten „Tempietto“ verbunden, einem Meisterwerk der italienischen Renaissancearchitektur, der an dem Ort errichtet wurde, an dem angeblich der Apostel Peter gekreuzigt worden sei. An sein Martyrium erinnert auch die angrenzende Kirche, in der wir weitere bedeutende Renaissancekünstler antreffen, darunter Daniele da Volterra, Sebastiano del Piombo und den Künstlerbiographen Giorgio Vasari. Von dort sind es nur noch ein paar Schritte weiter bergauf, bis zur „Spitze“ des Gianicolos, von dem Sie ein herrliches Panorama auf die Stadt genießen können.
S. Maria del Popolo, S. Agostino, Raffaels Grab im Pantheon, S. Maria sopra Minerva, S. Maria in Aracoeli
S. Maria del Popolo und S. Agostino wurden beide im 15. Jahrhundert errichtet und gehören zu den wenigen Renaissancekirchen in Rom. Ihr Inneres ist reich an Kunstwerken: neben den weniger bekannten Arbeiten Raffaels, der Chigi-Kapelle in S. Maria del Popolo und dem „Elias“ in S. Agostino, wollen wir uns aufgrund ihrer Bedeutung auch den Werken einiger späterer Künstler zuwenden, darunter Annibale Caracci, Bernini und Caravaggio. In S. Maria del Popolo soll unser Interesse in erster Linie aber auch dem Wandzyklus mit der Geschichte des heiligen Hieronymus von Tiberio d’Assisi gelten, einem Schüler des bekannten Renaissancekünstlers Pinturricchio, von dem das Altarbild der Kapelle ist. Neben seinem Altarbild in S. Maria del Popolo trat Pinturricchio, der zu dem Kreis florentinischer und umbrischer Künstler gehörte, die unter Sixtus IV. am Ende des 15. Jahrhunderts nach Rom berufen wurde, in Rom aber auch mit seinem einzigartigen Freskozyklus in S. Maria in Aracoeli hervor. Unser Rundgang wird uns darüber hinaus auch zu dem Grab Raffaels im Pantheon führen und zu dem wunderschönen Fresko des Toskaners Filippino Lippi in der Cappella Caraffa in S. Maria sopra Minerva, das zu den schönsten frühen Renaissancemalereien in Rom zu zählen ist.
Palazzo Farnese, Kapitolsplatz, das Grabmal für Julius II. in S. Pietro in Vincoli, S. Maria degli Angeli.
Michelangelos Tätigkeit als Maler lässt sich nur mit einem einzigen Werk verbinden, mit dem der Künstler jedoch gleichzeitig zu Weltruhm fand: den Fresken in der Sixtinischen Kapelle, denen wir uns aber an gesonderter Stelle widmen. -> Michelangelo war in erster Linie Bildhauer und Architekt. Unser Rundgang wird uns zu den Meisterwerken des florentinischen Künstlers führen, der 1505 von Julius II. nach Rom berufen wurde. Der Papst hatte viel vor mit dem Künstler: zunächst die Realisierung seines eigenen Grabmals, das aufgrund verschiedener Schwierigkeiten Zeit seines Lebens unvollendet blieb und dann die Ausmalung der Decke in der Sixtinischen Kapelle, ein Projekt, das sichals besonders heikel erwies, da Michelangelo zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit der Maltechnik vertraut war. Später, im Alter von bereits 61 Jahren begann Michelangelo unter Papst Paul III. mit dem großartigen Wandfresko in der Sixtinischen Kapelle, das das Jüngsten Gericht darstellt. Der gleiche Papst beauftragte ihn auch mit der Rekonstruktion des Kapitolsplatzes, ein Projekt, das zum triumphalen Einzug Kaiser Karls V. in Rom im Jahr 1536 beendet sein sollte. Unsere Aufmerksamkeit soll sich dann zwei Spätwerken Michelangelos zuwenden: seinen Plänen für den monumentalen Palazzo Farnese sowie den genialen architektonischen Umbauten der Diokletiansthermen (S. Maria degli Angeli). Michelangelos Werken ist eines gemeinsam: seien es die Figuren für das Juliusgrabmal, die Sybillen auf der Decke der Sixtinische Kapelle oder die von ihm entworfenen Plätze, Kirchen und Paläste – alle zeugen von Monumentalität, für die der Künstler sich an zahlreichen Beispielen der römischen Antike inspirierte.
Palazzo Venezia, Palazzo Mattei di Giove, Palazzo Caetani, Palazzo Spada, Palazzo Farnese, Palazzo della Cancelleria, Palazzo Ricci
Die Stadtführung leitet uns zu den schönsten Renaissancepalästen in Rom, die heute aber leider nur zum Teil für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Prachtvolle Fassaden, verborgene Innenhöfe und eindruckvolle Vorplätze erzählen uns die Geschichten ihrer Bewohner, einflussreicher Kardinäle und reicher römischer Adelsfamilien.