Versteckte Sehenswürdigkeiten in Rom (Teil 1)

Der römische Adel sitzt längst nicht mehr ruhend auf seinen Juwelen: er ist aktiv, kreativ und offen dafür, seine Paläste und Kunstschätze uns „Sterblichen“ zugänglich zu machen. Wer hat nicht schon mal davon geträumt, die versteckten Sehenswürdigkeiten Roms kennen zu lernen und dabei einen Blick hinter die prächtigen Palastfassen der Renaissance-und Barockzeit zu werfen, um zu sehen wie die grossen Familien heute noch leben?
In diesem Blog möchte ich Ihnen in Kürze ein Erlebnis besonderer Art beschreiben, dass Sie mit uns persönlich erfahren können. Es geht in den Palazzo Odescalchi auf der Piazza SS. Apostoli in Rom.

Die Odescalchi sind eines der ältesten italienischen Adelsgeschlechter, die ursprünglich aus Como stammten, mit der Wahl Benedetto Odescalchis zum Papst Innozenz XI. im Jahr 1676 aber nach Rom übersiedelten. Mitte des 18. Jahrhunderts erwarben Sie den majestätischen Palast gegenüber der Basilika SS.  XII Apostoli, an dem ein Jahrhundert zuvor grosse Architekten wie Maderno, Bernini und Fontana mitgearbeitet hatten. Der Palast ist noch heute im Besitz der Familie und bewahrt im Inneren eine Art Wunderkammer, die uns 400 Jahre zurückreisen lässt. Wir öffnen Ihnen die Tür zu einem ganz besonderen Meisterwerk: machen Sie es sich auf den alten Plüschsofas im Gelben Saal bequem und „Vorhang auf“ für Caravaggios Gemälde mit der Bekehrung des Heiligen Paulus! Man hat in der Tat das Gefühl, sich in einem kleinen Hoftheater zu befinden, denn das Gemälde wird in dem verdunkelten Saal mit Scheinwerferlicht angestrahlt und hebt die Protagonisten der Szene auf die für Caravaggios typische theatralische Weise hervor, dass man schon beim Eintreten des Saales Gänsehaut bekommt.

Was ist aber ein Gemälde ohne seine kunsthistorischen Erläuterungen, die uns auf Details aufmerksam machen, die man beim ersten Anblick alleine nicht wahrnehmen würde. So kann man zum Beispiel nur von einem bestimmten Blickpunkt aus betrachtet das „versteckte“ Selbstportrait des Künstlers erkennen.

Caravaggio war einer der in künstlerischer und menschlicher Hinsicht umstrittensten Künstler  seiner Zeit gewesen. Neuste Studien haben ergeben, dass er an Epilepsie gelitten hatte und dass er dieses Thema häufiger in seinem Gemälde zu verarbeiten suchte. Auf dem Gemälde in der Odescalchi Sammlung  sind der Speichel an der Pferdetrense und die Haltung des vom Licht geblendeten und zu Boden stürzenden Paulus zum Beispiel eine Anspielung auf diese Krankheit. Ausserdem waren zur Zeit Caravaggios die im Gemälde dargestellten Königskerzen, Straussenfedern und geflochtenen Schwänze als Mittel eingesetzt, um der Epilepsie entgegen zu wirken. Das, was aber im Gemälde besonders beeindruckt, ist die dramatische und moderne Umsetzung des Sujets sowie die fantastischen Lichteffekte des Gemäldes, die die Figuren wie auf einer Bühne erscheinen lassen. Nach Fertigstellung des Gemäldes bewahrte der Künstler es wahrscheinlich in seiner eigenen Werkstatt auf. Eigentlich war die Bekehrung des Heiligen Paulus zusammen mit der Kreuzigung des Heiligen Petrus für die Cerasi Kapelle in S. Maria del Popolo gedacht. Als der Auftraggeber, Tiberio Cerasi, Schatzmeister der Apostolischen Kammer, aber während der Arbeiten verstarb, muss Caravaggio eventuell selbst geplant haben, für beide Bilder eine zweite Version anzufertigen, da er mit den ersten Versionen aus verschiedenen Gründen vielleicht nicht mehr zufrieden gewesen war.
Sobald die Vorhänge im Gelben Saal wieder zurückgezogen werden, nehmen wir erst die besondere Atmosphäre des Palastes wahr, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Doch plötzlich sind wir wieder in der Gegenwart. Um im Thema Caravaggio zu bleiben, empfiehlt sich gleich im Anschluss ein Rundgang zu seinen seiner malerischen Arbeiten in S. Luigi die Francesi, S. Agostino und natürlich S. Maria del Popolo. Oder man besichtigt seine Werke in einem ihm gewidmeten Saal in der Galleria Borghese. Während Sie auf diesem Spaziergang den Spuren Caravaggios folgen, können Sie auch die Kreationen der Schmuckdesignerin  Lucia Odescalchi bestaunen, die von besonderer Kreativität und Eleganz und preislich zum Teil auch erschwinglich sind!
Wenn Sie Interesse haben, die Anwesen der Odescalchi ausserhalb Roms kennen zu lernen und Liebhaber der authentischen italienischen Küche sind, dann folgen Sie meinem Blog und meiner Facebook Seite!

 

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